Preiskalkulation I – Kostenorientierte Preiskalkulation

Eine der wesentlichen Kernaufgaben für Sie als Unternehmer ist die Kalkulation des Verkaufspreises Ihres Produktes. Dabei ist es unerheblich, ob Ihr Unternehmen etwas produziert, das dann verkauft werden soll, oder Sie als Händler von Waren auftreten. Bei vielen produzierenden Unternehmen werden Handelswaren zusätzlich zum eigenen Produkt verkauft. Die Preiskalkulation ist natürlich auch wichtig, wenn Dienstleistungen angeboten werden.

Dabei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie ein Angebotspreis kalkuliert werden kann. Er kann zufällig gesetzt werden – was nicht zu empfehlen ist – oder aufgrund von harten Zahlen kalkuliert werden. Neben der kundenorientierten und konkurrenzorientierten Preiskalkulation ist eine fundierte Kalkulationsmöglichkeit die kostenorientierte Preiskalkulation. Diese wird nachfolgend weiter ausgeführt.

Was sind Handelswaren?

Zunächst einmal soll an dieser Stelle noch einmal kurz der Begriff der Handelsware im buchhalterischen Sinne näher ausgeführt werden. Handelswaren sind nämlich anders zu erfassen, als selbsterstellte Güter (Waren und Dienstleistungen). Unter Handelswaren sind alle solche Waren zu verstehen, die nicht in die Produktion eingehen und unverändert weiterverkauft werden. Das betrifft zumindest den wesentlichen Zweck der Handelsware. Sie kann beispielsweise eine neue Verpackung bekommen, ist dann aber natürlich weiterhin als unverändert zu betrachten.

Buchhalterisch werden Handelswaren dann auf einem eigenen Konto Handelswaren erfasst. Umsatzerlöse aus Handelswaren sind dann auf dem gleichnamigen Konto zu verbuchen. Das gilt unabhängig davon, ob Sie ein reines Handelsunternehmen haben oder Handelswaren neben selbsterstellen Erzeugnissen vertreiben.

Bezugskosten als Ansatzpunkt bei Handelswaren

Für eine Handelsware, die dann weiterverkauft werden soll, ist der Bezugspreis – auch Einstandspreis genannt – bei einer kostenorientierten Preiskalkulation entscheidend. Die Bezugskosten sind analog zu den Anschaffungskosten anderer eingekaufter und dann genutzter Gegenstände und Leistungen im Unternehmen.

Die Bezugskosten sind dabei von den meisten Unternehmen durch unterschiedliche Angebote und Angebotskonditionen bestimmt. In der Praxis muss daher in vielen Fällen ein Vergleich der Lieferanten und Anbieter stattfinden, um die günstigsten Bezugspreise (unter der Einhaltung einer Mindestqualität) zu erhalten. Die Lieferantenauswahl kann auch mit anderen Entscheidungskriterien angereichert werden.

Das Angebot eines Lieferanten kann unterschiedliche Kriterien beinhalten. Zum einen gibt es den Listeneinkaufspreis aus Sicht Ihres Unternehmens. Auf diesen Preis werden unter Umständen Preisnachlässe gewährt. Beispiele sind Mengenrabatte, Treuerabatte oder Sonderkonditionen. Auch Liefererskonto bei Zahlung innerhalb einer bestimmten vorgegebenen Frist kann relevant sein. Unter Berücksichtigung der Preisnachlässe ergibt sich dann der Bareinkaufspreis. Darauf muss dann unter Umständen noch Bezugskosten hinzugerechnet werden und am Ende steht dann der Bezugspreis.

Bei der kostenorientierten Preiskalkulation der Handelsware werden dann auf den Bezugspreis noch die Handlungskosten hinzugerechnet. Handlungskosten sind Kosten aus Lagerhaltung, Personalkosten und Vertriebs- und Verwaltungskosten, die im Bezug zu den Handelswaren bei Ihnen im Unternehmen entstehen. Bezugspreis zuzüglich Handlungskosten ergeben dann die Selbstkosten, die die weitere Kalkulationsgrundlage bilden.

Beispiel: Sie sind Online-Händler für Schreibwaren und vertreiben Schreibsets. Die Schreibsets werden direkt von den Produzenten bezogen. Der Listeneinkaufspreis pro Set beträgt netto 100 Euro. Sie nehmen eine Menge ab, ab der ein Rabatt in Höhe von zehn Prozent gewährt wird. Damit ergibt sich der Zieleinkaufspreis von 90 Euro pro Set. Bei Zahlung zum Zahlungsziel erhalten Sie ein Prozent Skonto. Der Bareinkaufspreis ist damit 89,10 Euro pro Set. Für den Transport müssen Sie 0,40 Euro pro Set zahlen. Damit ergibt sich ein Bezugspreis von 89,50 pro Set. Die Kosten bei Ihnen, die durch den Handel (Lager, Verkaufstätigkeit) entstehen, müssen nun ebenfalls eingerechnet werden. Diese betragen 13,50 Euro pro Set. Die Selbstkosten sind somit 102 Euro pro Set.

Herstellkosten als Ansatzpunkt bei selbsterstellten Erzeugnissen

Werden selbsterstellte Waren oder Dienstleistungen verkauft, tritt anstelle der Bezugskosten die Herstellkosten. Je nach verwendeter Methodik oder Auffassung sind hierin die Handlungskosten bereits enthalten oder noch nicht. Allgemein sind darin alle Materialkosten und alle Kosten der Fertigung enthalten – das schließt die Kosten aus Forschung, Entwicklung und Konstruktion mit ein. Statt Handlungskosten wird hier von Vertriebs- und Verwaltungskosten gesprochen. Sind all die vorgenannten Kostenpositionen berücksichtigt, stehen am Ende wieder die Selbstkosten, auf deren Basis die weitere Preiskalkulation stattfindet.

Beispiel: Sie produzieren hochwertige Schreibsets selbst. Fertigungsmaterial und Materialgemeinkosten ergeben die Materialkosten. Diese betragen 39,75 Euro pro Set. Fertigungslöhne und Fertigungsgemeinkosten ergeben die Fertigungskosten von weiteren 39,75 pro Set. Die Herstellkosten der Erzeugung betragen dann 89,50 Euro pro Set. Die Vertriebs- und Verwaltungsgemeinkosten sind mit 13,50 Euro zu veranschlagen. Somit ergeben sich die Selbstkosten als 102 Euro pro Set.

Die Verkaufskalkulation

Die Selbstkosten sind somit die Basis der weiteren kostenorientierten Preiskalkulation. Auf die Selbstkosten wird zunächst eine Gewinnmarge aufgeschlagen. Wie hoch die Marge ausfällt, muss nach kaufmännischer Beurteilung selbst bestimmt werden. An dieser Stelle kommt bei der kostenorientierten Preiskalkulation die Marktsituation ins Spiel. Die Marge kann höher ausfallen, wenn die Kunden relativ preisunempfindlich reagieren oder wenn der eigene Marktanteil hoch ist. Das ist aber auch nur ein ungefährer Bezugspunkt. In einigen Branchen haben sich Margen in bestimmten Höhen etabliert.

Aus den Selbstkosten zuzüglich Gewinnaufschlag ergibt sich der Barverkaufspreis. Gehört nun zur eigenen Preispolitik eine Gewährung eines Kundenskontos, wird dieser ebenfalls eingerechnet. Daraus ergibt sich dann der Zielverkaufspreis. Sind weitere Preisnachlässe wie ein Kundenrabatt Bestandteil des eigenen Angebots, wird auch das in den Preis einkalkuliert. Nun ergibt sind der eigene Listenverkaufspreis (Netto-Angebotspreis). Zu klären ist an dieser Stelle auch noch, ob Vertriebskosten separat in Rechnung gestellt werden oder direkt einkalkuliert.

Beispiel: Die Selbstkosten betragen 102 Euro pro Schreibset. Sie halten einen Gewinnaufschlag von fünf Prozent für angemessen. Damit ergibt sich ein Barverkaufspreis von 107,10 Euro. Als Skonto soll ebenfalls ein Prozent an Geschäftskunden gegeben werden. Das bedeutet, dass die 107,10 Euro 99 Prozent des Zielverkaufspreises ausmachen und der Skonto die übrigen ein Prozent. Rückwärtsgerechnet ergibt das einen Zielverkaufspreis von 108,18 Euro. Einen Treuerabatt in Höhe von fünf Prozent wollen Sie ebenfalls anbieten. Auch dieser ist einzukalkulieren. Die 108,18 Euro sind 95 Prozent des Listenverkaufspreises und die übrigen fünf Prozent der Rabatt. Wieder rückwärtsgerechnet ergibt sich ein Listenverkaufspreis von 113,88 Euro netto.

Vereinfachte Verkaufskalkulation

Wenn sich die Zuschlagssätze und auch die Preisnachlässe und Skonti über längeren Zeitraum nicht zu stark verändern, lässt sich auch eine vereinfachte kostenorientierte Preiskalkulation durchführen, indem ein einfacher Kalkulationszuschlag ermittelt wird. Dieser ergibt sich als Differenz des oben bestimmten Listenverkaufspreises und dem Bezugspreis (beziehungsweise Herstellkosten pro Stück) geteilt durch den Bezugspreis.

Beispiel: Der Listenverkaufspreis beträgt 113,88 Euro und der Bezugspreis 89,50 Euro. Die Differenz ist 24,38. Diese Größe geteilt durch den Bezugspreis und als Prozentzahl ausgedrückt ergibt den Kalkulationszuschlag von 27,24 Prozent. So könnte mit einem neuen Bezugspreis schnell ein neuer Listenverkaufspreis bestimmt werden.

Probleme der kostenorientierten Preiskalkulation

Da in der kostenorientierten Preiskalkulation keine richtige Begründung der Gewinnmarge geliefert wird, muss das Unternehmen beziehungsweise die Entscheidungsträger selbst eine als angemessen betrachteten Gewinnaufschlag ansetzen. Wenn dieser Aufschlag gehalten werden soll, bringt die reine Kostensicht bei der Preiskalkulation ein besonderes Problem mit sich.

Bei sinkenden Absatzzahlen werden die Kostenkomponenten, die unabhängig von der produzierten beziehungsweise verkaufte Menge anfallen, relativ größer. Mieten, Leasingraten, Zinszahlungen, Abschreibungen oder auch Personalkosten fallen auch dann in gleicher Höhe an, wenn weniger produziert oder verkauft wird. Damit stimmen die Zuschlagssätze nicht mehr. Werden diese angepasst, muss der eigene Angebotspreis steigen. Das wiederum kann eine schlechte wirtschaftliche Situation durch weiter ausbleibende Verkäufe noch verschärfen. Die kostenorientierte Preiskalkulation kann somit dazu führen, dass sich ein Unternehmen vom Markt kalkuliert. Es darf daher nicht die einzige Betrachtungsweise sein.

The following two tabs change content below.

Redaktion

Neueste Artikel von Redaktion (alle ansehen)