Die Bewegungsbilanz

Die im Rahmen des Jahresabschlusses zu erstellende Bilanz zeigt die Vermögens- und Kapitalwerte am Ende des Geschäftsjahres auf. Diese Bilanz ist gleichzeitig der Startpunkt für das neue Geschäftsjahr (Schlussbilanz des Vorjahres ist die Eröffnungsbilanz des aktuellen Jahres). Sie zeigt somit den Bestand an Werten auf, ist also eine Beständebilanz.

Zum besseren Verständnis um die Vorgänge im eigenen Unternehmen können Sie zusätzlich eine Bewegungsbilanz erstellen. Finanzierungsvorgänge und Finanzierungsquellen sind aus der Beständebilanz nicht ersichtlich. Mithilfe der Bewegungsbilanz können die Mittelherkunft und die Mittelverwendung aber dargestellt werden. So können Sie sehen, woher die finanziellen Mittel Ihres Unternehmens stammen und wie diese finanziellen Mittel in Ihrem Unternehmen verwendet werden.

Aufbau der Bewegungsbilanz

Um die Bewegungsbilanz aufstellen zu können, werden zwei aufeinanderfolgende Abschlussbilanzen benötigt. Nur so können die Veränderungen der verschiedenen Bilanzposten aufgezeigt werden. Die Veränderungen in den Positionen der beiden aufeinanderfolgenden Bilanzen können auf vier Arten typisiert werden: Die Aktivposten haben sich erhöht, die Passivposten haben sich gemindert, die Aktivposten haben sich gemindert und die Passivposten haben sich erhöht. Die ersten beiden Fälle sind Ausdruck der Mittelverwendung, die anderen beiden der Mittelherkunft.

In der Bewegungsbilanz steht nun auf der linken Seite die Mittelverwendung und auf der rechten Seite die Mittelherkunft. Die linke Seite gibt an, wohin die finanziellen Mittel geflossen sind, und die rechte Seite gibt ab, woher diese finanziellen Mittel gekommen sind. Die Bewegungsbilanz hat somit folgendes Schema:

Mittelverwendung Bewegungsbilanz Mittelherkunft
Erhöhung Aktiva Minderung Aktiva
Minderung Passiva Erhöhung Passiva

Für die Bewegungsbilanz gilt weiterhin, dass die Summe auf der linken Seite der Summe auf der rechten Seite entsprechen muss. Wertmäßig sind Mittelverwendung und Mittelherkunft somit gleich – die Summe der Einzelveränderungen entspricht der Gesamtveränderung zwischen den Bilanzen.

Wie werden die Positionen der Bewegungsbilanz ermittelt?

Aus den beiden zur Verfügung stehen Bilanzen lässt sich die Bewegungsbilanz schnell ermitteln. Aus den Unterschieden der Aktiv- und Passivpositionen ergeben sich die Erhöhungen und Minderungen der jeweiligen Seiten. Hierbei kann die grundsätzliche Einteilung der Positionen in der Bilanz genutzt werden. So steht beispielsweise eine Erhöhung des Anlagevermögens (Investition) oder der Forderungen auf der linken Seite, ebenso wie die Reduzierung von Verbindlichkeiten. Ein gestiegenes Eigenkapital und gestiegenes Fremdkapital sowie ein Abbau der Vorräte wären Beispiele, die auf der rechten Seite der Bewegungsbilanz zu finden sind.

Beispiel: Die Bilanzen der Jahre 2016 und 2017 sind die Grundlage der Bewegungsbilanz für 2017. Von 2017 auf 2016 ist die Position der Sachanlagen um 2.000 Euro gestiegen. Weiterhin sind die Vorräte um 200 Euro abgebaut. Der Forderungsbestand ging um 300 Euro zurück, gleichzeitig stiegen die flüssigen Mittel um 100 Euro. Des Weiteren hat der Unternehmer eine Eigenkapitalerhöhung per Privateinlage um 1.000 Euro vorgenommen. Ein zusätzlicher langfristiger Kredit in Höhe von 1.000 Euro wurde ebenfalls aufgenommen. Dafür konnte der Bestand an kurzfristigen Verbindlichkeiten um 400 Euro reduziert werden.

Mittelverwendung Bewegungsbilanz Mittelherkunft
I. Zunahme Aktiva

1. Zunahme Anlagevermögen

– Investition Sachanlagen       2000

2. Zunahme Umlaufvermögen

– Flüssige Mittel                         100

II. Abnahme Passiva

– Mind. krzfr. Verbindl.               400

I. Zunahme Passiva

1. Zunahme Eigenkapital

– Privateinlage                       1000

2. Zunahme Fremdkapital

– lgfr. Kredit                            1000

II. Abnahme Aktiva

  1. Abnahme Umlaufvermögen

– Abbau Vorräte                       200

– Abbau Forderungen             300

Summe                                      2500 Summe                                   2500

Was lässt sich aus der Bewegungsbilanz ablesen?

Die Summe der Bewegungsbilanz gibt die Höhe der Finanzierungsmittel im betrachteten Jahr an. Im Beispiel hat das Unternehmen im Jahr 2017 über 2.500 Euro an freien finanziellen Mitteln verfügt. Die rechte Seite gibt dabei Aufschluss, woher dieser Betrag kommt: Es gab eine Eigenkapitalerhöhung und eine Fremdkapitalerhöhung in Form höherer langfristiger Schulden. Zudem wurde das Umlaufvermögen reduziert, indem weniger Vorräte und Forderungen gehalten wurden.

Diese freigesetzten Mittel wurden dann verwendet. Der größte Brocken ging ins Anlagevermögen, indem die Sachanlagen um 2.000 Euro erhöht wurden. Es gab somit eine Investitionstätigkeit. Die flüssigen Mittel sind etwas angestiegen und die kurzfristigen Verbindlichkeiten wurden abgebaut. Damit lässt sich auch eine Aussage zur Liquidität treffen, die hier im Beispiel gestiegen ist.

Abschreibungen als Finanzierungsmittel

Mit weiteren Angaben aus dem Anlagenspiegel des Unternehmens kann die Finanzierungsfunktion der Abschreibungen aufgezeigt werden. Abschreibungen sind Aufwendungen für das Unternehmen, die somit in den Verkaufspreis als Kostenbestandteil einkalkuliert werden. Über die Umsatzerlöse fließen die Abschreibungsbeträge wieder zurück und stehen so als Mittel für Investitionen zur Verfügung.

Mithilfe der im Anlagenspiegel gelisteten Zugänge, Abgänge und Abschreibungen können aus der Bewegungsbilanz weitere Informationen gewonnen werden. Angenommen, nach dem obigen Beispiel gab es Zugänge im Wert von 3.000 Euro, keine Abgänge und die Abschreibungen betragen 1.000 Euro. Die Bruttozugänge von 3.000 Euro stellen eine Aktivmehrung und die Abschreibungen (und Abgänge) eine Aktivminderung dar. Verrechnet ergibt das die Mehrung der Sachanlagen wie in obiger Bewegungsbilanz.

Abschreibungen in der Bewegungsbilanz

Diese Informationen können auch in die Bewegungsbilanz eingefügt werden. Die obige Position Investition Sachanlagen würde dann 3.000 Euro betragen. Auf der rechten Seite der Bewegungsbilanz muss dann eine weitere Position oben eingefügt werden. In 0. Finanzierung aus Abschreibungen scheinen entsprechend die 1.000 Euro auf. Die Summe auf beiden Seiten erhöht sich in der Folge jeweils um 1.000 Euro. So werden die Abschreibungen als Quelle der Mittelherkunft korrekterweise mit in die Bewegungsbilanz aufgenommen.

Daraus lässt sich dann auch leicht der Anteil der Abschreibungen an den Investitionen erkennen. Zugänge abzüglich Abgänge in Sachanlagen ergeben die Nettozugänge. Da im Beispiel keine Abgänge vorkommen, sind Brutto- wie Nettozugänge 3.000 Euro. Mit 1.000 Euro Abschreibungen beträgt die Investitionsfinanzierung aus Abschreibungen somit 1000/3000 * 100% = 33,33%. Das heißt, dass die Abschreibungen ein Drittel der Anlageninvestitionen finanzierten. Abschreibungen als Finanzierungsmittel sind daher nicht zu unterschätzen.

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Redaktion

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