Der Anlagenspiegel

Kapitalgesellschaften sind gesetzlich verpflichtet, die Entwicklung der einzelnen Positionen des Anlagevermögens darzustellen und im Rahmen der Bilanz oder als Anhang zur Bilanz zu veröffentlichen (§ 268(2) HGB). Aber auch wenn Sie keine Kapitalgesellschaft führen, sondern eine Personengesellschaft oder als Einzelunternehmer agieren, kann die Aufschlüsselung des Anlagevermögens als eigenes Kontrollinstrument sehr sinnvoll sein.

Darstellung des Anlagevermögens im Anlagenspiegel

Um die Entwicklung des Anlagevermögens sinnvoll und übersichtlich darzustellen, wird ein Anlagenspiegel – auch Anlagengitter genannt – erstellt. Hierin werden die bilanzierten Positionen des Anlagevermögens nach Bedarf gegliedert. Beispielsweise kann die Position Technische Anlagen und Maschinen weiter unterteilt werden in Maschinengruppen.

Der Anlagenspiegel zeigt dann mindestens zu den einzelnen Bilanzpositionen die Entwicklung über das Geschäftsjahr auf. Dazu zählen die Anschaffungs– oder Herstellungskosten, die Zugänge im Geschäftsjahr, die Abgänge im Geschäftsjahr, die Umbuchungen im Geschäftsjahr, Zuschreibungen, kumulierte Abschreibungen und der Buchwert zum Ende des Geschäftsjahres (Bilanzstichtag). Die jeweiligen Werte der genannten Größen werden hintereinander in Tabellenform dargestellt. Der Anlageposten wird als Null-Spalte vorangestellt und für gewöhnlich werden am Ende der Zeile die Spalten Buchwert zum Bilanzstichtag des Vorjahres als Vergleichsgröße und die Abschreibungen des Berichtsjahres angefügt.

In der Praxis kann ein Anlagenspiegel sehr einfach mithilfe einer Buchhaltungssoftware erstellt werden. In der Regel unterhält das Buchhaltungsprogramm eine automatische Anlagenkartei, die durch die Buchungen im System automatisch aktualisiert wird. Alternativ kann eine Anlagenkartei und daraus der Anlagenspiegel sehr einfach selbst erstellt werden.

Erläuterungen der Spalten im Anlagenspiegel

Anlageposition

Der Aufbau des Anlagenspiegels erfolgt wie zuvor genannt. In der ersten Spalte steht die Anlageposition. Im einfachsten Fall folgt die Reihenfolge einfach den Nummern des genutzten Kontenrahmens. Beispielsweise stehen Grundstücke und Gebäude relativ weit oben in der Tabelle, gefolgt von den Technischen Anlagen und Maschinen und weiter mit der Geschäftsausstattung und dem Fuhrpark. Die Positionen des Anlagevermögens, die das eigene Unternehmen verwendet, sind somit auch Bestandteil des Anlagenspiegels.

Anschaffungs- oder Herstellungskosten

Es folgen die Angaben zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Gemeint sind hier die historischen Anschaffungs- oder Herstellungskosten, somit der ursprüngliche Wert, zu dem beispielsweise ein Pkw einmal angeschafft wurde.

Zugänge

Unter den Zugängen werden die neu angeschafften oder hergestellten Anlagepositionen des Geschäftsjahres aufgeführt. Die Werte dieser Spalte erhöhen die Anschaffungs- oder Herstellungskosten der Gesamtposition im Folgejahr. Beispielsweise wurde ein neuer Computer im Jahr 2018 angeschafft. Dieser wird im Anlagenspiegel 2018 als Zugang aufgeführt und erhöht wertmäßig die Spalte Anschaffungs- oder Herstellungskosten im Anlagenspiegel 2019.

Abgänge

Bei den Abgängen werden die verkauften, entnommenen oder verschrotteten Anlagepositionen vermerkt. Angegebenen werden hier die ursprünglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Um diesen Wert wird im Folgejahr die Spalte Anschaffung- oder Herstellungskosten vermindert.

Umbuchungen

Die Umbuchungen erfassen die Fälle, wo buchhalterisch zwischen verschiedenen Konten des Anlagevermögens Positionen verschoben wurde. Ein Beispiel wäre eine Anlage im Bau, die im Berichtsjahr fertiggestellt ist. Der zugehörige Wert wird in der Buchhaltung vom Konto Anlagen im Bau auf das Konto Gebäude umgebucht.

Zuschreibungen

Zuschreibungen sind Wertaufholungen, die im Berichtsjahr stattgefunden haben. Das könnte passieren, wenn der Grund für eine außerplanmäßige Abschreibung, die in einem der Vorjahre vorgenommen wurde, nun entfällt. Es findet dann eine Wertkorrektur statt. Zum Beispiel wurde ein Grundstück aufgrund einer Giftstoffbelastung außerplanmäßig abgeschrieben, später stellt sich die Belastung als falsch heraus. Der Grundstückswert kann dann wieder auf den Anschaffungswert zugeschrieben werden.

Kumulierte Abschreibungen

Es folgt die Angabe zu den kumulierten Abschreibungen der Anlageposition. Das meint die Summe aller planmäßigen und außerplanmäßigen Abschreibungen der Vorjahre und des aktuellen Berichtsjahres abzüglich der Zuschreibungen. Wenn beispielsweise ein vor drei Jahren angeschaffter Pkw jährlich mit 2.500 Euro planmäßig linear abgeschrieben wird, sind die kumulierten Abschreibungen 10.000 Euro (nach dem vierten Jahr).

Buchwert am Ende des Geschäftsjahres

Hier steht der Wert der Anlageposition, wie er in der Bilanz des Berichtsjahres steht. Es handelt sich somit um die fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten (Restbuchwert), in denen die vorherigen Spalten entsprechend verrechnet wurden, sofern sie sich auf das Berichtsjahr beziehen.

Buchwert des Vorjahres

Als Vergleichswert dient der Buchwert des Vorjahres. Beispielsweise würde im Anlagenspiegel des Jahres 2019 an dieser Stelle der Buchwert am Ende des Geschäftsjahres 2018 stehen.

Abschreibungen im Berichtsjahr

Gesondert werden noch einmal die Abschreibungen, planmäßig wie außerplanmäßig, der Anlageposition im Geschäftsjahr aufgezeigt. Diese sind in den kumulierten Abschreibungen enthalten, sollen zur besseren Übersicht aber noch einmal einzeln gezeigt werden.

Löschen aus dem Anlagenspiegel

Anlagepositionen, die nicht mehr im Unternehmen sind, werden von der Buchhaltung entsprechend ausgebucht. Sie tauschen als Abgänge letztmalig im Anlagespiegel auf. Beispiele dafür sind ein verkaufter Pkw oder eine verschrottete und nicht mehr im Unternehmen verbleibende Maschine.

Etwas anderes liegt vor, wenn beispielsweise eine Anlageposition vollständig abgeschrieben ist, aber noch im Unternehmen verbleibt. Ein Beispiel wäre ein Pkw, der über die Nutzungsdauer hinaus in Gebrauch ist. Diese Anlagepositionen werden in der Buchhaltung mit einem Erinnerungswert von 1 Euro geführt. Mit diesem Wert sind diese Anlagepositionen auch weiterhin im Anlagenspiegel enthalten.

Analyse des Anlagenspiegels

Der Anlagenspiegel kann durch das Unternehmen beziehungsweise den Unternehmer selbst oder auch durch Dritte ausgewertet werden. Ein Beispiel sind die bereits genannten Anlagepositionen, die nur noch mit einem Erinnerungswert im Anlagenspiegel auftauchen. Die relative Zahl solcher Anlagepositionen verrät zum Beispiel etwas über die Investitionstätigkeit oder das Ausbleiben von Ersatzinvestitionen.

In Bezug auf die Investitionstätigkeit sind noch mehr Informationen im Anlagenspiegel enthalten. Die Zugänge eines Jahres sind nichts anderes als die getätigten Investitionen des Jahres. Die Abschreibungen des Jahres sind Bestandteil der Innenfinanzierung eines Unternehmens. Der Quotient aus Abschreibungen und Zugängen beschreibt somit die Investitionsfinanzierung durch Abschreibungen. Ein Wert von 100 Prozent sagt aus, dass das Unternehmen ausschließlich Ersatzinvestitionen im betreffenden Jahr getätigt hat.

Der Quotient aus Anschaffungs- oder Herstellungskosten und Buchwert des Geschäftsjahres sagt etwas zum durchschnittlichen Alter der Anlagepositionen aus. In Bezug beispielsweise auf Technische Anlagen und Maschinen, IT, Fuhrpark und so weiter beschreibt der Quotient das technische Alter des Anlagevermögens. So können Rückschlüsse auf die verwendeten technischen Standards gezogen werden. Umso höher der Quotient, desto veralteter ist die genutzte Technik im Unternehmen.

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Redaktion