Der Cashflow – Eine Einführung

Die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung sind nicht nur wesentlicher Bestandteil des Jahresabschlusses und damit der buchhalterischen Gewinnermittlung Ihres Unternehmens, sondern sie sind auch Grundlage zur Ermittlung von wichtigen Kennzahlen und Größen zur Unternehmenssteuerung. Neben den Bilanzkennzahlen, wie beispielsweise die Liquidität, sowie den Umschlagskennzahlen (Wirtschaftlichkeit) und die Rentabilität ermittelt aus der Gewinn- und Verlustrechnung nimmt der Cashflow einen wichtigen Bezugspunkt in Ihrem Unternehmen ein.

Vereinfacht misst der Cashflow – wortwörtlich übersetzt Kassen-Zufluss – die Möglichkeit der Selbstfinanzierung des Unternehmens. Der Cashflow ist ergänzend zur Liquidität eine wichtige Größe, um die finanzielle Kraft eines Unternehmens zu beschreiben. In vielen Fragen eignet sich der Cashflow zudem besser als die Rentabilität, um die unternehmerische Ertragskraft abzubilden.

Berechnung des Cashflows

Allgemein ist der Cashflow die Saldierung betrieblicher Einnahmen und Ausgaben. Entwickelt wurde das Konzept in den USA, um eine einfache, aber dennoch aussagekräftige Größe für die betriebliche Leistungsfähigkeit zu haben. So gibt der Cashflow an, wie hoch die finanziellen Mittel sind, um Investitionen selbst zu finanzieren, Schulden zu tilgen sowie Gewinne auszuschütten. Im Rahmen der Kapitalflussrechnung müssen Kapitalgesellschaften in Deutschland den Cashflow im Rahmen des Jahresabschlusses angeben (§ 264 (1) HGB).

Ausgangspunkt ist der aus der Gewinn- und Verlustrechnung stammende Jahresüberschuss (Erträge abzüglich Aufwendungen). Der Gewinn oder Verlust muss dann um die zahlungsneutralen Komponenten bereinigt werden. Das bedeutet, dass auszahlungsneutrale Aufwendungen wie beispielsweise Abschreibungen auf Sachanlagen und Zuführungen zu langfristigen Rückstellungen (Pensionsrückstellungen) wieder hinzuaddiert werden und einnahmeneutrale Erträge wie beispielsweise Zuschreibungen abgezogen werden.

Beispiel: Aus der Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens für das Geschäftsjahr 2018 ergibt sich ein Gewinn (Jahresüberschuss) von 100.000 Euro. Es wurden Abschreibungen in Höhe von 20.000 Euro durchgeführt. Weiterhin wurde eine Pensionsrückstellung in Höhe von 10.000 Euro gebildet.

Der Cashflow ergibt sich als Saldo aller zahlungswirksamen Einnahmen und Ausgaben. Abschreibungen und die Zuführung zu Pensionsrückstellungen sind zahlungsneutral – mit diesen Aufwendungen sind keine Auszahlungen verbunden. Damit ergibt sich: CF = 100.000 + 20.000 + 10.000 = 130.000 Euro.

Abschreibungen sind nicht auszahlungswirksam, da die damit verbundenen Werte im Unternehmen bleiben und nicht abfließen. Abschreibungen sind ein Mittel der direkten Refinanzierung von Sachanlagen. Pensionsrückstellungen sind rechtlich Fremdkapital, stehen dem Unternehmen aber langfristig und zinslos zur Verfügung und sind damit ökonomisch eigenkapitalähnlich. Diese Werte verbleiben somit ebenfalls im Unternehmen.

Was sagt der Cashflow aus?

Der Cashflow ist eine Größe, die unmittelbar die liquiden Mittel in den Fokus rückt. Die Kennzahl beantwortet die Frage, wie gut ein Unternehmen sich selbst finanzieren kann (Selbstfinanzierungskraft). Somit gibt der Cashflow auch Aufschluss über die Kreditwürdigkeit und die Ertragskraft des Unternehmens sowie dessen Expansionsfähigkeit. Im Vergleich zur Rentabilität und der Liquidität bietet der Cashflow eine höhere Aussagekraft.

Direkter und indirekter Cashflow

Die oben betrachtete Berechnung des Cashflows ist die indirekte Berechnungsmethode, die unmittelbar aus den Zahlen der Gewinn- und Verlustrechnung auch durch Dritte erfolgen kann. Diese Methode ist in der Praxis verbreitet. Daneben kann der Cashflow auch direkt berechnet werden, indem alle zahlungswirksamen Aufwendungen (betriebsnotwendig) von allen zahlungswirksamen Erträgen abgezogen werden. Hierbei wird ausgehend vom (Brutto-) Umsatz unter anderem die Bestandsveränderungen, der Material- und Personalaufwand sowie der Fremdleistungsaufwand und sonstige betriebliche Sachaufwendungen abgerechnet. Die Informationen hierzu sind dann in der Gewinn- und Verlustrechnung enthalten, wenn das Gesamtkostenverfahren angewendet wurde. Die Kostenstruktur des Unternehmens wird hier mithilfe von Kostenarten beschrieben. Das ist bei kleinen und mittleren Unternehmen häufig der Fall.

Brutto-, Netto- und Freier Cashflow

Die obige Berechnungsmethode ermittelt den Brutto-Cashflow. Ausgehend von dieser Größe kann auch ein Netto-Cashflow bestimmt werden. Hierfür werden vom Brutto-Cashflow die Steuern – neben betrieblichen Steuern werden hier oft auch die persönlichen Steuern des Unternehmers berücksichtigt – und die Privatentnahmen (bei Personengesellschaften und Selbstständigen) abgezogen sowie die übrigen Rückstellungsveränderungen berücksichtigt.

Werden vom Netto-Cashflow nun die Ausgaben für betriebliche Investitionen abgezogen (beispielsweise der Kauf einer Maschine oder eines Computers) und die Einnahmen durch Desinvestitionen (beispielsweise Verkauf von Anlagen) hinzuaddiert, ergibt das den Freien Cashflow. Beim Freien Cashflow handelt es sich somit um die liquiden Mittel, die für die Schuldentilgung und Gewinnausschüttung noch zur Verfügung stehen. Die Finanzierung von Investitionen wurde hier herausgerechnet. Der Freie Cashflow ist zum Beispiel für Banken ein wichtiger Indikator für die Kreditwürdigkeit des Unternehmens.

Die Kapitalflussrechnung

Durch die Kapitalflussrechnung lässt sich der Cashflow noch weiter zerlegen, um die einzelnen Finanzierungsbestandteile des Cashflows herauszufinden. Ausgangspunkt ist – wie immer – der Jahresüberschuss, der um Abschreibungen, Zuschreibungen, Rückstellungsveränderungen sowie steuerliche Wertberichtigungen sowie Privatentnahmen korrigiert wird. Zunahmen werden addiert und Abnahmen subtrahiert.

Werden nun die Gewinne und Verluste aus Anlagenabgängen, die Bestandsveränderungen der Vorräte, die Veränderung des Forderungsbestands und die sonstigen Veränderungen an Vermögenswerten und Wertpapieren (Zunahmen werden abgezogen, Abnahmen addiert) sowie die Veränderung der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (Zunahmen werden addiert, Abnahmen abgezogen) berücksichtigt, erhält man den operativen Cashflow. Hier sind, vereinfacht gesagt, die Veränderungen der liquiden Mittel aus normaler Geschäftstätigkeit abgebildet. Ein positiver operativer Cashflow würde bedeuten, dass die Einnahmen aus normaler Geschäftstätigkeit die betriebsüblichen Ausgaben decken und überwiegen.

Weiter kann der Cashflow aus Investitionen gebildet werden, indem vom operativen Cashflow die Auszahlungen für Investitionen abgezogen werden und Desinvestitionen hinzuaddiert. Die Veränderung der liquiden Mittel, wenn Investitionen bezahlt werden, kommt also hier hinzu.

Zuletzt lassen sich noch die Einnahmen und Ausgaben im Zusammenhang mit Eigen- und Fremdkapitalveränderungen hineinrechnen. Werden Einzahlungen durch Eigenkapital- oder Fremdkapitalaufnahme auf den Cashflow aus Investitionen addiert und die Gewinnausschüttungen abgezogen, ergibt sich der Cashflow aus Finanzierung. Die Summe aus den vorgenannten Cashflows und den Bestand an liquiden Mitteln zu Jahresbeginn ergibt dann den Bestand an liquiden Mitteln zu Jahresende. Damit sind alle Veränderungen der liquiden Mittel kategorisiert nach normaler Geschäftstätigkeit, Investitionstätigkeit und Finanzierungstätigkeit aufgezeigt.

Cashflow-Umsatzverdienstrate

Weitere Aussagen sind dann mit dem Cashflow möglich, wenn man ihn ins Verhältnis zu den Umsatzerlösen setzt. Daraus ergibt sich, welchen Teil der Umsätze dem Unternehmen zur Selbstfinanzierung zur Verfügung stehen. Vor allem im Vergleich zu den Vorjahren dient die Cashflow-Umsatzverdienstrate als starke Kennzahl für die Ertragskraft und das Wachstumspotenzial des Unternehmens.

Der Cashflow kann auch zu anderen Größen ins Verhältnis gesetzt werden, beispielsweise dem Eigenkapital oder dem Gesamtkapital. Auch hieraus lässt sich beispielsweise erkennen, welchen Selbstfinanzierungsgrad ein Unternehmen vorweist. Weiterhin ist der Cashflow auch aus prognostizierten Einnahmen und Ausgaben bestimmbar und eine wichtige Größe der zukünftigen Unternehmenssteuerung.

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Redaktion

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